Geschichte

Wie alles einmal begann...

Mit dem Beginn der Sesshaftigkeit des Menschen nahm auch die Entwicklung der Bodenbearbeitung und der Kulturpflanzen ihren Anfang.

Es erscheint logisch, dass der Mensch die Erdstelle, die er bepflanzte und auf die er deshalb Besitzanspruch erhob, mit einem sichernden Zaun umgab, um die Früchte seiner Arbeit vor dem Einbruch feindlicher Menschen und wilde Tiere zu schützen. Dass dabei die verwendeten unterschiedlichen Nutzpflanzen alsbald systematisch in Beeten geordnet wurden, erschließt sich, nach dem ökonomischen Prinzip, aus der Natur des Zucht- und Pflegevorganges. Die Pflanzen, die der Mensch für seinen Garten auswählte, waren dabei nicht nur reine Nahrungsquelle, sondern sie dienten ihm zugleich zur Zierde.

Wie entstanden die Vereine...

Schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden in Deutschland Vereinigungen, die sich die "Förderung der Landwirtschaft" zum Ziel setzten, womit auch der Obst- und Gartenbau abgedeckt wurde. Häufig waren es nicht einmal rein landwirtschaftlich orientierte Organisationen, sondern solche, die sich auch mit "Landwirtschaft" und damit indirekt dem Obst- und Gartenbau beschäftigten.

1847 wird von einer Veranstaltung des Landwirtschaftsvereins in Lebach berichtet, bei der über 200 "Vereins-Mitglieder und Freunde der Landwirtschaft" zusammenkamen und die in einem Dorfbuffet ihren gelungenen Abschluss fand.

Um 1848 vermehrten sich die Vereine explosionsartig, so dass ganz  Deutschland alsbald von einem Netz von Obst- und Gartenbauvereinen überzogen war. Dabei bildete der saarländisch-pfälzische Raum keine Ausnahme.

Neben dieser flächenmäßigen, quantitativen Ausweitung der Vereine mit zentraler Verbandsbildung als "Provinzialvereine" erfolgte auch eine inhaltliche, qualitative Differenzierung, vornehmlich am Ausgang des 19. Jahrhunderts. Neben den "normal üblichen" Obst- und Gartenbauvereinen wurden "Pflanzenliebhabervereine" gegründet, ein Vorgang, der bis in die aktuelle Gegenwart anhält.

Die Vereinspalette reicht inzwischen von speziellen Obstbau-, Palmen- oder Rosenvereinen bis hin zu Kakteen-, Dahlien-, Gladiolen-, Fuchsien- oder Orchideenvereinen und vielen weiteren mehr.

Ziel dieser Vereine wie auch der ursprünglichen "Landwirtschaftlichen Vereine" und dann der "Obst- und Gartenbauvereine" ist es, den Obst- und Gartenbau in praktischer, wissenschaftlicher wie künstlerischer Weise zu fördern. Dazu dienen jeweils öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen mit Vorträgen und Vorführungen sowie Film- oder Rundfunkbeiträge.

Neben der Anlage von Demonstrationsgärten werden auch Schulungen organisiert. Es stehen heute auch Demovideos zur Verfügung und mittels einer eigenen Fachzeitschrift wird der Wissenstransfer zwischen Forschung und Wissenschaft und der Bevölkerung geleistet.

Die Schule ... ein Garten

Der Lehrer ... ein Gärtner

Es war vor allem die Lehrerschaft, die den Obst- und Gartenbau vornehmlich vermittelte. Sie benötigte allerdings für diese obst- und gartenbaulichen Tätigkeiten organisatorische Unterstützung, die sie durch die Gründung von Obst- und Gartenbauvereinen fand. In der Jubiläumsschrift des Obst- und Gartenbauvereins Habach wird so zum Beispiel das große Engagement der Lehrer ausdrücklich gewürdigt und ihre Arbeit rückblickend mit den Worten kommentiert: "Die Lehrergeneration zwischen dem Krieg 1870/71 und dem ersten Weltkrieg hat in dieser Hinsicht für die Dörfer und die Bewohner unschätzbare materielle und besonders ideelle Werte geschaffen. Fleiß, Sorgfalt, Sittlichkeit, Sittsamkeit, Sparsamkeit und Gediegenheit waren erstrebenswerte Tugenden!"

Dem Obst- und Gartenbau erwuchs vor dem Hintergrund der sozialen Zustände des 19. Jahrhunderts eine immer stärker werdende Bedeutung. Das wachsende Interesse der Menschen an "mehr und besseren" Obst- und Gartenprodukten stärkte zugleich deren Bedürfnis, die Kenntnisse und Erfahrungen im Obst- und Gartenbau gegenseitig auszutauschen.

Von großer Bedeutung für die Vereinsentwicklung war und ist immer noch der jeweilige Vorsitzende mit seinen Qualitäten. Schon Oberstudiendirektor Prof. Dr. A. Zschokke verlangte deshalb in seiner Abhandlung "Aufgaben und Ziele der örtlichen Obstbauvereine" aus dem Jahr 1912, "einen tüchtigen und tätigen Vorsitzenden zu wählen, der seine Ehrenpflicht ernst nimmt. Er muss sich bestreben die Seele des Vereins zu werden und alle Mittel anwenden, die Mitglieder für die Vereinsinteressen zu erwärmen, sie mit Liebe ... zu erfüllen und zu freudiger Arbeit anzuregen.
Das stetige Engagement einer Vielzahl an solch "tüchtigen und tätigen" Vorständlern ließ in der Saar-Pfalz Region so eine Fülle an Obst- und Gartenbauvereinen entstehen, die alsbald das Bedürfnis nach einer übergeordneten, die gemeinsamen Interessen wirksamer vertretenden, Struktur entwickelten. Die Vernetzung der einzelnen Ortsvereine und damit der organisatorische Aufbau eines Zentralverbandes verlief in der Folge hierarchisch "von unten nach oben" und getrennt nach den beiden politischen Regionen, den bayerischen und preußischen Landesteilen. Sie entsprach damit der tradierten territorialen Gliederung, so wie sie schon vor der Gründung des Deutschen Reiches von 1871 bestanden hatte.

Wann entstanden die Verbände

Am 11. Oktober 1883 kamen auf Anregung des Landwirtschaftslehrers Fischer die Vertreter der Vereine Bann, Homburg, Kusel, Landstuhl, Limbach, Mittelbrunn, Oberarnbach, Pirmasens, Waldmohr, Webenheim, Zweibrücken, Gauverein Blies und der des oberen Glantales in Homburg zusammen, um hier einen "Kreisverband Pfälzischer Obstbauvereine" zu gründen. Zum ersten Vorsitzenden des Kreisverbandes wurde Pfarrer Rütter aus Erfweiler gewählt, ein Amt, das 1897 an Ludwig Christian Theobald aus Pirmasens weitergegeben wurde.

Der Kreisverband St. Wendel wurde am 24. März 1912 gegründet. An diesem Tag fand im Hotel Riotte in St. Wendel unter Teilnahme sämtlicher Obst- und Gartenbauvereine des Kreises St. Wendel die Gründungs-veranstaltung statt (Quelle: Landesarchiv Saarbrücken, Bestand Depositum Landkreis St. Wendel, Nr. 468). Nach vorliegenden Dokumenten bestand er im Frühjahr 1914 aus 30 Vereinen mit 1.400 Mitgliedern.

Wie erfolgreich die Vereine und der junge Verband arbeiteten, mögen zwei Zahlen verdeutlichen:

Die Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1900 ergab für den Kreis St. Wendel 238.683 Obstbäume. Die Zählung vom 1. Dezember 1913 ergab bereits 316.244 Obstbäume.

Die südwestdeutsche Saar-Pfalz-Region war durch die Bemühungen der Obst- und Gartenbauvereine zu einem der wichtigsten Obstlieferanten Deutschlands geworden. Noch vor 1914 wurden in München Musterobstmärkte mit altbayerischem und pfälzischem Obst abgehalten, um den dortigen Käufern zu zeigen, dass nicht nur in Italien und Tirol gutes Obst wächst, sondern "wohl noch besseres und feineres im eigenen Land".

Der Kreisverband St. Wendel besteht heute aus 51 Vereinen mit mehr als 6.000 Mitgliedern. Für die Zukunft wird es von Bedeutung sein, der jüngeren Generation nahe zu bringen, dass die Obst- und Gartenbauvereine auch in einer modernen Zeit ihre Berechtigung haben. Sie sind das "grüne Gewissen unserer Gesellschaft".